Dortmunder Stadtchronik

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Entnommen aus dem Buch:
Dortmund - ein historischer Zahlenspiegel
Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung der Verlagsbuchhandlung  Fr. Wilh. Ruhfus, Dortmund


Die Zeit von 1933 - 1945

1933,  18. Februar
Adolf Hitler spricht in der Westfalenhalle.
1942,  27. Januar
Erste Deportation von ca. 1000 Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg von Dortmund nach Riga. In weiteren sieben Transporten werden rd. 4000 Juden in Konzentrationslager verbracht. Der letzte Transport am 13. Februar 1945 führt nach Theresienstadt.
1933,  März
Die "Westfälische Allgemeine Volkszeitung", an der seit 1911 Fritz Henßler maßgeblich mitarbeitet, wird verboten. Die letzte Ausgabe erscheint am 8. April 1933 unter dem Titel "Westfälische Post".
1943,  5. Mai
Erster großer Luftangriff auf Dortmund: Rd. 100.000 abgeworfene Bomben, 693 Tote, 40.000 Obdachlose, 1218 Häuser werden total zerstört. 88 Industrieanlagen (darunter Hoesch) werden getroffen, viele Kulturdenkmäler (altes Rathaus, Stadt- und Landesbibliothek, Propsteikirche) werden schwer beschädigt.
1933,  5. März
Reichstagswahl: NSDAP 27,0%, KPD 23,1%, SPD 20,8%, Zentrum 18,4%, DNVP 6,7%, Evgl. Volksdienst 1,9%, DVP 1,4% und DDP 0,7%.
1943,  24. Mai
Zweiter Großangriff: Gewicht der abgeworfenen Bomben 2248 t, 629 Tote, ca. 90.000 Obdachlose, 1848 Häuser und 11 Kirchen (darunter die Petrikirche) werden total zerstört, 6 Krankenhäuser, 12 Kirchen, 55 Schulen, 5 Kinos, 27 Industrieanlagen beschädigt.
1933,  9. März
In Dortmund werden u.a. folgende Straßen umbenannt: Rathenauallee in Adolf-Hitler-Allee, Stresemannstraße in Göringstraße, Erzbergerstraße in Schlageterstraße, Republikplatz in Horst-Wessel-Platz, Lasallestraße in Zierothstraße und Ernst-Mehlich-Straße in Adolf-Höh-Straße.
1944,  23. Mai
Dritter Großangriff: 140.814 abgeworfene Bomben, 541 Tote, ca. 80.000 Obdachlose, 1335 total zerstörte Häuser. Der Angriff gilt hauptsächlich den Stadtteilen im Süden (Hörde), Südosten und Osten.
1933,  18. März
Einheiten der Polizei und der SA besetzen das Stadthaus, um Akten wegen Verdunkelungsgefahr sicherzustellen. Der sozialdemokratische Stadtrat Gottlieb Levermann wird in Schutzhaft genommen.
1944,  6. Oktober
Vierter Großangriff: Ca. 160 - 170.000 abgeworfene Bomben, 1015 Tote, ca. 60.000 Obdachlose, 964 total zerstörte Häuser, 10 beschädigte Industrieanlagen. Die bereits bei vorangegangenen Angriffen beschädigte Reinoldikirche wird bis auf die Seitenmauern zerstört.
1933,  23. März
Eine Anordnung des kommissarischen preußischen Innenministers Göring verbietet, die am 12. März gewählten KPD-Mitglieder zu den Sitzungen der Vertretungskörperschaften einzuladen. Von 84 Stadtverordneten werden dadurch 16 Kommunisten ausgeschlossen und die Mehrheitsverhältnisse im Kommunalparlament zugunsten der NSDAP verschoben.
1944,  11. November
Fünfter Großangriff: Gewicht der abgeworfenen Bomben 1659 t, 88 Tote, 1130 Obdachlose, 53 total zerstörte Häuser. Hauptangriffsziel: Hoesch-Benzin, nordöstlicher Stadtteil mit Flughafen.
1933,  1. April
Beginn des auf Reichsebene  stattfindenden Boykotts jüdischer Geschäfte, Waren, Ärzte und Rechtsanwälte. Inoffizielle Boykottierungen hatte es in Dortmund wie anderswo schon seit dem 28. März gegeben.
1944,  29. November
Sechster Großangriff: Ca. 53.520 abgeworfene Bomben, 168 Tote, ca. 12.000 Obdachlose, 236 total zerstörte Häuser, 162 zerstörte Gas- und Wasserhauptleitungen.
1933,  20. April
Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Adolf Hitler (Aberkennung in der Sitzung der Stadtvertretung vom 26.8.1947).
1945,  1. Januar
Einwohnerzahl Dortmunds:  341.000
1933,  Mai
Die "Westfälische Allgemeine Volkszeitung" wird verboten.
1945,  21. Februar
Siebter Großangriff: Gewicht der abgeworfenen Bomben 2249 t (weitere Angaben fehlen).
1933,  3. Mai
Einrichtung eines Rasseamtes mit dem Ziel der Scheidung der Rassen in arische und nichtarische Menschen, zur Aufartung der breiten Volksmassen.
1945,  12. März
Achter und letzter Großangriff: Gewicht der abgeworfenen Bomben 4851 t, Zerstörung der Innenstadt. Damit sind 95% des alten Stadtkerns zerstört und 59,9% des Wohnraumes vernichtet. Die Gesamtschäden werden auf ca. 6 Mrd. RM geschätzt.
1933,  8-9 Juli
Gautag der NSDAP und SA-Westfalentreffen. Aufmarsch der SA-Gruppe Westfalen vor Adolf Hitler vor dem Stadttheater.
1945,  30. März (Karfreitag)
Erschießung von mindestens 42 Menschen durch die Gestapo im Rombergpark. Bei insgesamt 6 Exekutionen (7. März - 8./9. April 1945) im Rombergpark und in der Bittermark werden ca. 230 Frauen und Männer erschossen. Bei den Toten handelt es sich u.a. um Mitglieder des Dortmunder Widerstandskreises. Die weitaus meisten Opfer aber sind Arbeiter ausländischer Nationalität und zwar vornehmlich russische Arbeiter und Kriegsgefangene.
1933,  1. August
Oberbürgermeister Ernst Eichhoff tritt auf Druck der NSDAP in den Ruhestand.
1945,  13. April
Besetzung Dortmunds durch amerikanische Truppen. Auf Anordnung des Kommandanten der amerikanischen Kampftruppen übernimmt Stadtrat Dr. Hermann Ostrop am gleichen Tag das Amt des kommissarischen Oberbürgermeisters (bis 8. Februar 1946). Einige Tage später wird diese Anordnung von der inzwischen eingesetzten britischen Militärregierung bestätigt. Für die Verwaltung der Stadt sind nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 die Weisungen der britischen Militärregierung maßgebend.
1935
Anlage der Kasernenbauten am Westfalendamm.
1945,  14. April
Erste Zusammenkunft von Sozialdemokraten nach dem Einmarsch der Amerikaner. Für die Wiedergründung wird ein Arbeitsausschuss gewählt, dem Heinrich Wenke, Willi Ziegler, Heinrich Sträter, Paul Sattler und August Schmidt angehören.
1936,  17. März
Hermann Göring spricht auf einer Großkundgebung in der Westfalenhalle.
1945,  25. April
Erste Sitzung des sogenannten Überleitungsausschusses, der von dem kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Ostrup mit Zustimmung der britischen Militärregierung zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Erfüllung der schwierigen Aufgaben, die durch den Zusammenbruch des Wirtschafts- und Verkehrslebens sowie die Besetzung der Stadt an die Stadtverwaltung gestellt werden, einberufen wird. Ab 13. Juni 1945 wird er als Stadtausschuss bezeichnet, letzte Sitzung am 5. Dezember 1945.
1937,  28. August
Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront in der Westfalenhalle. Enthüllung der "Fahne der Bewegung" (Hakenkreuzfahne) im Festsaal des Rathauses.
1945,  August
Neugründung der jüdischen Gemeinde.
1938,  3. Oktober
Beginn der Abbrucharbeiten an der Synagoge in Dortmund.
1945,  7. August
Die Volksschulen werden wieder geöffnet. Es stehen 58 Schulgebäude mit 420 Klassenräumen zur Verfügung.
1938,  9-10. November
In allen Teilen der Stadt finden im Verlauf der "Kristallnacht" Verhaftungen und Misshandlungen von Juden, Zerstörungen jüdischer Geschäfte und Wohnungen statt. Die Synagogen in Hörde und Dorstfeld werden in Brand gesteckt bzw. demoliert.
1945,  September
Gründung des Dortmunder Kreisverbandes der CDU.
1939,  Februar
Abbruch der Synagoge in Hörde.
1945,  September
Gründung des Dortmunder Kreisverbandes der F.D.P.
1940,  1. Januar
Einwohnerzahl Dortmunds:  541.900
1945,  14. Dezember
Einsetzung der Stadtvertretung durch die britische Militärregierung. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern der vier zugelassenen politischen Parteien (SPD, CDU, KPD und F.D.P.), der Gewerkschaften, der Ärzteschaft, der Landwirtschaft, des Handels und Gewerbes sowie der freien Berufe. Die Richtlinien und Grundsätze der britischen Militärregierung, die von der Stadtvertretung bei ihrer Arbeit zu beachten sind, gibt der Kommandant der örtlichen britischen Militärregierung, Oberstleutnant Graves, in der Sitzung der Stadtvertretung (der ersten geschäftlichen Sitzung) am 18. Dezember 1945 bekannt. Die letzte Sitzung findet am 24. September 1946 statt.
Der zerstörte Hauptbahnhof 1945
Bombentrichter auf dem Hansaplatz

 
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© 29.11.2000 by Kurt Endrikat. email: Kurt-Endrikat@t-online.de